Geschichte Mülheims

Liebe Netzwerkerinnen und Netzwerker!

Wanderungen kann ich ja in dieser Zeit leider nicht wie gewohnt anbieten. Daher biete ich eine andere Art von Wanderung an: eine Wanderung durch die Zeit. Wer es mag, kann sich mit mir auf eine Tour durch die Geschichte unserer Stadt begeben. Vielleicht entdeckt Ihr dabei auch etwas Neues oder seht Bekanntes mit einem neuen Blick.

Euer Günter

Beim Bau der Eisenbahnstrecke wurden in Saarn einige Gräber aus fränkischer Zeit gefunden, noch älter sind die Urnenfunde an der Holzstraße in Broich und vom Flughafengelände, die aus der Zeit zwischen 800 und 400 vor Christi Geburt stammen. Man geht heute davon aus, dass der Bereich links der Ruhr wegen seiner leichtern Böden eher durch Bauern besiedelt worden ist.

Zwischen dem 9. Und 15. Jahrhundert

Die Geschichte unserer Stadt wird aber erst – heute noch – sichtbar ab dem 9. Jahrhundert. Wer einen Blick von der Ringmauer des Schlosses in Broich auf den Innenbereich der Festungsanlage wirft, erkennt die Grundmauern von Bauten aus der Zeit von 883. Ein Jahr zuvor hatte eine Heer Wikinger den Handelsplatz Duisburg besetzt. Um zu verhindern, dass die Männer aus dem Norden mit ihren Schiffen ruhraufwärts gelangen konnten, setzte König Karl III. seinen Herzog Heinrich von Babenberg gegen die Raubzüge ein. So wird höchstwahrscheinlich die Festungsanlage oberhalb der Stelle entstanden sein, wo die Heer- und Handelsstraße Hellweg die Ruhr auf einer Furt überquerte. Ziel war es, die Abtei in Werden vor einem Raubzug zu schützen und den Handelsweg zu überwachen.

Das ist nicht übertrieben, denn die Reformation ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess, der sich schmerzhaft über viele Jahrzehnte hinzog. Das Gebiet des Niederrheins mit Mülheim wurde in Verbindung mit der Reformation von Krieg heimgesucht – man spricht vom Achtzigjährigen Krieg, der von 1568 bis 1648 dauerte.

Vor diesem Krieg bildeten die heutigen Niederlande, Belgien, Luxemburg und ein Teil Nordfrankreichs 17 Provinzen des Heiligen Römischen Reich. Das Haus Habsburg stellte den Kaiser, aber die 17 Provinzen wurden vom König des spanischen Zweigs der Habsburger beherrscht.

Wie versprochen wird es in der dritten Folge friedlicher. Zu Zeiten von Graf Wilhelm Wirich (Broich; Lutheraner), Graf Moritz (Styrum, Katholik) und dem reformierten Pfarrer der Petrikirche Theodor Undereyck entspannt sich die konfessionelle Situation in Mülheim; hierbei ist Geld das entscheidende Argument. Die Petri-Gemeinde kann sich nun selbst verwalten und ihre Pfarrer selber wählen. Die Lutheraner können eine eigene Kirche an der Delle errichten. Während die wenigen Katholiken erst 1755 ein Grundstück auf dem Kirchenhügel erhielten.