Wanderberichte

… das allein klingt schon seltsam genug. Aber dass sich die Wanderer vom Broicher Netzwerk nicht von markierten Wanderwegen leiten ließen, sondern von dem möglicherweise längsten Bach in Mülheim als Leitschnur, kommt noch hinzu.

Da blickten auf der Höhe des Dümptener Schildbergs mit seinen 90 Metern die 12 Wandersleute an der Schobes Heide in den tief eingeschnittenen Quelltopf des Zechenbachs. In den vergangenen 70 Jahren ist hier der Boden mit Einfamilienhäusern versiegelt und der Bach an vielen Stellen ins Rohr geschickt worden. In Oberhausen tritt er stellenweise wieder zu Tage. Aber einiges wurde renaturiert: statt Zechenhalde Roland der Stadtpark Rolandshalde – oder konserviert: der Feldmannpark mit der alten Kopfweide am ehemaligen Bach – aber hier soll vielleicht doch der Bagger kommen. Von dem um 1100 gerodeten Waldhufendorf Styrum entlang des Bachs im Zuge der Alsen-, Schwerin- und Meidericher Straße ist kaum noch etwas zu erahnen. Nur Günter Fraßunke kannte den Verlauf und die Bauernhöfe noch aus seiner Jugend.

Der Wandel der Landschaft in so kurzer Zeit zeugt einerseits von wirtschaftlicher Dynamik, aber auch von der fehlenden Sensibilität der Planung in der vorhandenen Landschaft. – Versöhnend war da die kroatische Gastfreundschaft am Alstadener Ruhrpark.

 

Am 24. Oktober war es wieder so weit: Wandern mit dem Netzwerk Broich – und wie schon so oft an dem einzigen Tag mit Wanderwetter inmitten einer verregneten Woche.

Diesmal führte der Weg vom Raffelbergpark über den Kaiserberg durch Duissern und den ÖPNV-Tunnel am Hauptbahnhof. Wanderplaner Günter machte auf den Steilhang eines alten Ruhrlaufs mitten im Monningwald aufmerksam und auf den Schwachpunkt des Kaiserbergs, der großenteils aus Geschiebe besteht, das der eiszeitliche Gletscher hier angehäuft hat. Einer Klosteranlage aus dem 13. Jahrhundert wurde der unsichere Grund zum Verhängnis. Es war nicht der Teufel, der die unkeuschen Schwestern in die Tiefe zog, wie die Legende glauben machen will – „Fake News“ des Mittelalters.

Die Königsberger Allee, ein breiter Grünzug mit einigen schönen Häusern und einer Trinkhalle in einem Kriegsbunker, führt zum Bahnhof. Bald ist der König-Heinrich-Platz erreicht, der mit seinem Namen daran erinnert, dass der erste deutsche König mehrmals die Regierungsgeschäfte von Duisburg aus erledigte. Heute kommen an diesem zentralen Platz Handel, Justiz und Kultur zusammen.

Durch das Wasserviertel mit seinen nach Flüssen benannten Straßen gelangten wir in die Altstadt, die an mehreren Stellen noch Reste der Stadtmauer aus dem Mittelalter zeigt. Auf einem großen archäologisch ausgewerteten Areal der Hanse- und Reichsstadt entsteht auf altem Straßengrundriss eine kleinteilige Bebauung. Das rekonstruierte Wohnhaus des Kartografen Gerhard Mercator soll ein Kartografie-Museum werden.

Mercator, der die Navigation auf See revolutionierte, wurde in der Salvatorkirche bestattet, wo seine Grabtafel neben denen von Professoren der alten Duisburger Universität betrachtet werden kann. Da nun auch die Sonne die Wolkendecke vertrieben hatte, konnten die Netzwerker sich vom Farbenspiel der Kirchenfenster verzaubern lassen.

In einem ehemaligen Speicherhaus im Innenhafen klang die Wanderung aus bei niederrheinischer und bayrischer Küche.

Text: Günter Fraßunke
Fotos; Paul Steinhauer

Eine typische Wanderung in der Siepenlandschaft rechts der Ruhr unternahmen neun Netzwerkwanderer am 19.September. wieso „typisch“? – Zehnmal ging es bergauf und bergab, vorbei an einigen Erinnerungsorten des Mülheimer Bergbaus.

Günter Fraßunke hatte sich eine Tour ausgedacht, die die Wandersleute durch meist unbekanntes Gelände führte: Auch Dümpten hat einen Bürgerbaum, im Randenbergtal spielt die Musik der BAB, Straßennamen wie Steiger- und Knappenweg, die ehemalige Szenelokalität Winkhaus im Eppinghofer Bruch, eine Kontrollstelle an einem alten Schacht, der jüdische Friedhof mit seinen alten und neuen Grabsteinen, die Gedenktafel an die Zeche Wiesche, der ultimative Steilanstieg Kuhlendahl mit zwei Kötterhäusern, der uns unmittelbar zur Luisenschule führte. Auf 10 Kilometern Wanderstrecke gab es also viel zu sehen und Bachtäler zu überwinden. Das ist hier nur eine Auswahl.

Die Belohnung erwartete uns im gut besuchten Biergarten auf der Ruhrpromenade.


Wir sind ja gewohnt, dass Günter Fraßunke für den Wandertag gutes Wetter vermittelt, doch am Freitag, dem Dreizehnten, hatte er übertrieben. Es war sehr heiß, als die zehn Senioren nach der Straßenbahnfahrt zum Neumarkt in Sterkrade die rund zehn Kilometer lange Wanderung rund um diesen Oberhausener Stadtteil begannen.

Schon 890 war Sterkrade urkundlich erwähnt und seit dem 13. Jahrhundert hatten dort die Zisterzienserinnen ihr Kloster und das Sagen. Durch die Zechen- und Hüttenindustrie wuchs die Bevölkerung von 457 (1808) auf 52.000 (1929) an und Sterkrade durfte sich Stadt nennen. Sie wurde allerdings mit dem noch größeren Oberhausen später vereinigt und gab ihre Selbständigkeit auf.

 

Es war eine interessante Rundtour. Wir wanderten durch das Landschaftsschutzgebiet Reinersbachtal und das Elpenbachtal aber auch über Straßen und sahen die Erinnerungsstätten der ehemaligen Zechen und der bekannten St. Antony-Hütte im Stadtteil Klosterhardt. Sie gilt als Wiege der Ruhrindustrie. 1758 war hier - zwischen Sterkrade und Osterfeld - ein neun Meter hoher Hochofen angeblasen worden. Zum Hochofen gehörten Gießereien und Formereien. Geeignetes Raseneisenerz stand für die Verhüttung in der Nähe zur Verfügung.

Denkmäler der Groß-Industriellen Gottlob Jacobi und Franz Haniel wurden angesehen und Günter gab uns nähere Informationen.

Als wir dann recht müde und hitzegeplagt wieder in die Straßenbahn nach Mülheim einsteigen konnten, freute man sich zwar, erneut ein interessantes Stück unseres Ruhrgebiets durch Günter Fraßunke näher kennengelernt zu haben, doch man war auch froh, im „Köpi“ bei erfrischenden Getränken und schmackhaftem Essen gegen 14 Uhr einkehren zu können.

Text und Fotos: Paul Steinhauer

Vierzehn Netzwerkwanderer machten sich auf den Weg, um die Täler und Höhen von Mellinghofen, Eppinghofen und Winkhausen zu erkunden. Dass es bergauf und bergab gehen würde, war bekannt. Daher war auch die Wanderstrecke von 8 – 9 km schon kürzer als üblich vorgesehen.

Im Papenbusch war die Auferstehungskirche ein erstes Ziel. Der Kirchenraum mit den vielen bestatteten Urnen erzeugt eine besondere Stimmung.

Nicht weit entfernt „erklommen“ wir den Kleeberg, wo eine Nachbarschaftsgruppe Wildblumenwiesen geschaffen und die Stadt Spielgeräte aufgestellt hat.

Das Horbachtal, durch das wir dann wanderten, wird auch gern von den Anwohnern der umgebenden Siedlungen besucht. Das Buchenbergtal hingegen ist großenteils mit Wohngebäuden zugebaut.

Vorbei an der Eppinghofer Johanniskirche mit ihrem markanten Turm machten wir eine kurze Pause am Peisberg. Diese Brachfläche eines ehemaligen Steinbruchs mit Ziegelei wird seit 2022 zum Naturerfahrungsraum entwickelt. Finanziert wird der grüne Lernort für die umliegenden Bildungseinrichtungen mit Mitteln der EU und des Landes NRW.

Auf der anderen Seite der Bahnstrecke liegt recht versteckt das Hasental – so getauft von den Kindern der benachbarten Grundschule. Eine monumentale Hasenfigur und Spielgeräte sind Anziehungspunkte für die Kinder und ihre Eltern.

Von hier war es dann nicht mehr weit zur U-Bahn-Station. Nach kurzer Fahrt und dem abschließenden Einkehrweg zum Köpi freuten wir uns auf das schmackhafte Mittagessen und ein kühles Getränk.

Text: Günter Fraßunke
Fotos: Paul Steinhauer